SGG-Forum mit Dr. Erös: Kinderhilfe Afghanistan

 

11. April 2013 (Donnerstag):  SGG-Forum mit Dr. Reinhard Erös, Thema: "Afghanistan"  , in N 3,  7. und 8. Stunde
 
Verpflichtende Schulveranstaltung für die ganze Jahrgangsstufe 12
 
 

Bildung statt Fundamentalismus

In der ersten Schulwoche nach den Osterferien gab es für die Schülerinnen und Schüler des SGG gleich schwere Kost: Angestoßen durch die Oberstufenschülerin Anna Michel referierte Dr. Reinhard Erös für die 12. Jahrgangsstufe über Afghanistan, ein Land der Extreme, wo die Temperaturen von -50°C bis +40°C reichen und die Sprachvielfalt die Europas übertrifft.
Gleichzeitig redete seine Frau Annette Erös, die – wie ihr Ehemann – mit dem Bundesverdienstkreuz für ihr humanitäres Engagement ausgezeichnet wurde, vor den Sozialkundeklassen der 10. Jahrgangsstufe.
„Was geht uns Afghanistan an?“ – Mit dieser Frage eröffnete Erös seinen Vortrag.
„Alles“ ist die Antwort, die der Oberstarzt a.D. den Zuhörern gibt.
Das Land östlich des Irans wurde jahrzehntelang vom Westen mit Krieg überzogen.
Anfang der Achtziger marschierten die Sowjets ein, zehn Jahre lang blieben sie.
Nach ihrem Abzug prägten Bürgerkriege das destabilisierte Land, bis die Taliban von 1996-2001 herrschten und alles daransetzten, die vielfältige Kultur Afghanistans und die einmaligen Kulturstätten –zum Beispiel die einmalige Bhudda-Statue, die Alexander der Große nach seinem Feldzug dort ließ – zu zerstören.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 beschloss Georg Bush, Afghanistan Frieden in Form von Bombenteppichen zu schenken, die Talibanherrschaft wurde beendet – doch nicht ihr Einfluss auf die Bevölkerung.
Die schwache und desinteressierte Regierung lässt es auch heute noch zu, dass Taliban Schulen gründen, die dann kostenfrei von allen Kindern besucht werden können.
Dort lernen sie den Koran auf Arabisch auswendig, einer Sprache, die nicht zu den 49 gesprochenen Sprachen in Afghanistan gehört.
Auf ihrer Sprache allerdings bekommen die Schüler die radikale Auslegung der Lehrer eingetrichtert und werden auf den Djihad eingeschworen.
Wenn Reinhard Erös also sagt, dass man auch noch so viele Sicherheitskräfte und Soldaten in dorthin entsenden kann ohne sie zu stabilisieren, hat er absolut recht und setzt deswegen an dem einzig richtigen Punkt an, der nachhaltig Frieden und Wohlstand schaffen kann: der Bildung.
Die Kinderhilfe Afghanistan betreibt Erös nun seit 1998 zusammen mit seiner Familie, vollkommen ohne staatliche Unterstützung.
Das Motto: „Bildung statt Fundamentalismus“.
Warum Erös das alles auf sich nimmt, nur zwei Monate im Jahr in Deutschland verbringt, darauf antwortet er schlicht: „So bin ich nun mal erzogen worden“. Reinhard Erös ist ein Mensch, der Probleme anpackt, wenn er sie sieht.
Beklommenheit macht sich breit im stummen Publikum, wenn er energisch ausruft, womit wir oder er es eigentlich verdient haben, in diesen Luxus, in Deutschland, hineingeboren zu sein.
Erös kehrte diesem Überfluss schon vor langer Zeit den Rücken, war bereits in den 80zigern in Afghanistan, operierte Opfer von Panzerangriffen und Minenexplosionen in Höhlen.
Doch was er heute mit seiner Stiftung leistet, ist eigentlich zu groß, um es in Worte zu fassen; laut eigenen Angaben werden mittlerweile um die 50000 Kinder in seinen Schulen unterrichtet. Eine ganze Generation, die ihrerseits ihren Kindern Wissen vermitteln kann und die afghanische Version des Islams lebt: nicht missionarisch, gemäßigt, friedlich.
Traurig ist dennoch die Tatsache, was nach Jahrzehnten des Krieges wichtigstes Fach der jungen Afghanen ist: Minenkunde.

Jan Casper

 
 
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