Tausendjährige Stars - Hannibal und Scipio

Prof. Dr. Josef Schmid lässt tausendjährige Stars Hannibal und Scipio lebendig werden
 
 
Klänge aus der italienischen Oper Giovanni Paisiellos „Annibale in Torino“ Jahre 1771 bildeten die Ouvertüre für Herrn Prof. Dr. Schmids Vortrag im Rahmen des SGG-Forums. Auf Einladung der Fachschaft Latein hatte sich eine bunt gemischte Zuhörerschar in der Cafeteria versammelt, darunter etliche Schüler, Eltern, Lehrer und Freunde, die Prof. Schmid mit seinem lebendigen, pointierten und unterhaltsamen Vortragsstil zu fesseln verstand. Seine Sachinformationen und Reflexionen waren in ein multimediales Szenario aus Bild-, Film- und Tonmaterial mehrerer Jahrhunderte sehr anschaulich und abwechslungsreich eingebettet. Die jüngeren Schüler waren vor allem von der Präsentation einiger Kampfszenen mit Hannibals spektakulären Kriegselefanten beeindruckt. Höchst anregende Denkanstöße bot Prof. Schmitt in immer wieder eingeflochtenen Reflexionsblöcken, etwa unter der Frage „Wahnsinn oder Erfolg“, unter denen er entscheidende Leistungen Hannibals und Scipios beleuchtete. Dabei konnten die Zuhörer interessante Exkurse in die Kunst-, Militär- und Filmgeschichte erleben. 
 
So näherte sich Prof. Schmid der zentralen Frage, warum Hannibal, der punische Feldherr, bis heute ein Star ist, dessen Namen fast jeder kennt. War es seine spektakuläre, wahnwitzige Alpenüberquerung mit 39 Kriegselefanten? Oder seine geniale Feldherrentaktik, mit der er in einer Schlacht rund 80.000 römische Soldaten tötete? Oder haben erst die römischen Geschichtsschreiber ihn unsterblich gemacht, indem sie ihn zu ihrem mächtigsten Feindbild stilisierten? Oder spätere Rezeptoren, die dem tragischen Verlierer die größere Sympathie entgegenbrachten? Sein Gegner, der Römer Scipio, jedenfalls konnte ihn schließlich besiegen und durfte dafür den ehrenden Beinnamen „Africanus“ führen, ohne jemals für seinen Erfolg und die Tugend der clementia (Milde) den gleichen Ruhm zu ernten. Nur im 17. und 18. Jahrhundert erwies man ihm größeren Respekt und Aufmerksamkeit als Hannibal. Eine ähnliche Konstellation sah Prof. Schmid in der frühen Neuzeit bei dem französischen Kaiser Napoleon und dessen Gegner in der Schlacht bei Waterloo, dem englischen General Wellington. Diesem – ebenso wie Scipio – zollte der Referent in seinem persönlichen Abschlussplädoyer die höhere Anerkennung für seine Lebensleistung.
 
Sylvia Fein
 
  
 
 
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